Neue Superintendentin Dr. Heidrun Gunkel: Eine enge Verbindung zur Stiftung Hünenburg
Mit Dr. Heidrun Gunkel hat der Kirchenkreis Melle-Georgsmarienhütte seit August 2026 eine neue Superintendentin.
Mit ihrer theologischen Expertise, ihrer Erfahrung in Veränderungsprozessen und ihrem Blick für gemeinschaftliches Handeln möchte sie die Zukunft des Kirchenkreises aktiv mitgestalten. Auch für die Ev.-luth. Stiftung Hünenburg ist ihr Amtsantritt von besonderer Bedeutung: Die Stiftung und den Kirchenkreis verbinden eine lange kirchliche Tradition und eine enge institutionelle Zusammenarbeit.
Die Satzung der Ev.-luth. Stiftung Hünenburg, die 1964 an die Stelle der Statuten von 1857 trat, sieht vor, dass die Superintendentin bzw. der Superintendent des Kirchenkreises kraft ihres bzw. seines Amtes dem Vorstand der Stiftung angehört. Mit ihrem neuen Amt ist Dr. Heidrun Gunkel damit zugleich Teil des Stiftungsvorstands der Hünenburg.
Aus diesem besonderen Zusammenhang heraus möchten wir Ihnen Dr. Gunkel näher vorstellen. Der Ev.-luth. Kirchenkreis Melle-Georgsmarienhütte hat uns dafür das folgende Interview zur Verfügung gestellt, in dem Frau Dr. Gunkel über ihre Visionen für den Kirchenkreis, ihre Vorstellungen von guter Zusammenarbeit und Veränderung, ihre Leidenschaft für den Sport und ihren ganz persönlichen Glaubensalltag spricht.
Frau Dr. Gunkel, was hat Sie persönlich dazu bewegt, sich auf das Amt der Superintendentin im Kirchenkreis Melle-Georgsmarienhütte zu bewerben?
Mich hat besonders die Ausschreibung für das Amt hier im Kirchenkreis angesprochen. Sie signalisierte, dass der Kirchenkreis offen für den anstehenden, wichtigen Zukunftsprozess ist und dass Teamarbeit sowie Mitentwicklung großgeschrieben werden. Ich habe in Peine die zuletzt notwendigen Sparmaßnahmen seit 2021 konstruktiv begleitet und dabei gemerkt, dass ich solche Prozesse gerne leitend voranbringe. Mir ist allerdings bewusst, dass man bei so einer Entwicklung nicht unkontrolliert etwas Neues „überstülpen“ kann – hier bedarf es Fingerspitzengefühl, guter Kommunikation und kreativer Ideen.
Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?
Als neue Superintendentin werde ich von der Landeskirche Hannover über mehrere Monate auf das Amt vorbereitet. Es gibt verschiedene Schulungen und auch eine Hospitanz in einem anderen Kirchenkreis, um den Horizont zu erweitern und das Gelernte in der Praxis zu erproben. Weitere Fortbildungen folgen nach der Amtsübernahme. Die Vorbereitung ist sehr umfangreich und eine gute Unterstützung.
Auf was freuen Sie sich besonders?
Ich freue mich sehr darauf, die Menschen und Gemeinden im Kirchenkreis kennenzulernen; bisher wurde ich überall herzlich empfangen. Ich werde mich bestimmt auch häufiger auf mein Fahrrad schwingen, um die schöne Landschaft im Osnabrücker Land mit dem Teutoburger Wald zu erkunden.
Welche Person hat Sie auf Ihrem Weg in die Kirche und zur Theologie besonders inspiriert?
Meine Eltern haben mich mit Blick auf Kirche in der Kindheit sehr früh geprägt. Meiner Mutter war es wichtig, dass wir Kinder uns in der Kirche wohlfühlen. So habe ich von klein auf in verschiedenen Bereichen des kirchlichen Lebens mitgewirkt.
Wann wurde Ihnen klar, dass Sie Theologin werden wollen?
Ich denke, der erste Gedanke kam mir schon in der Konfirmandenzeit. Ich ging auf eine katholische Schule und habe dort den Leistungskurs „Katholische Religion“ belegt. Das Studium in Göttingen und Rom hat sich dann gut angeschlossen.
Welche Themen liegen Ihnen persönlich am Herzen, die Sie in Ihrer neuen Rolle voranbringen wollen?
Der Rückgang der Mitgliederzahlen wird die Kirche zu weiteren Sparmaßnahmen zwingen. Ich möchte verhindern, dass wir unter diesem Druck den Kopf in den Sand stecken, sondern möchte dazu beitragen, die Kirche zukunftsfähig zu machen. Letztlich ist das nichts neues: Kirche hat sich immer verändert und weiterentwickelt. Auch wir müssen uns neu positionieren – immer mit der Frage im Kopf: „Was können wir den Menschen als Kirche geben?“.
Gibt es etwas, worauf Sie bei der Führung eines Kirchenkreises besonderen Wert legen?
Es ist mein Anliegen, alle Beteiligten auf eine transparente, kommunikativ verbindliche und verlässliche Art mitzunehmen. Ich empfinde es als Gewinn, dass ich für die Leitung des Kirchenkreises gemeinsam mit Kirchenkreisvorstand und die Kirchenkreissynode verantwortlich bin. Auch die verschiedenen Fachausschüsse sind dabei wichtige Gremien. Hier ist mir besonders der Fachausschuss „Strategie und Position“ ins Auge gefallen, den die Kirchenkreissynode bei ihrer Neukonstituierung im letzten Jahr neu gebildet hat und der sich unter anderem mit Innovationen und der zukünftigen Ausrichtung der kirchlichen Arbeit beschäftigen wird. So einen Ausschuss hat bei Weitem nicht jeder Kirchenkreis.
Kirche steht vor großen Herausforderungen: Mitgliederrückgang, gesellschaftlicher Wandel, Vertrauensfragen. Wo sehen Sie dennoch Chancen?
Die Menschen leben heute in sehr unsicheren Zeiten, gesellschaftlich wie wirtschaftlich. Insbesondere das friedliche Miteinander ist gerade stark belastet. Wir können mit unserer Botschaft einen sicheren Gegenpol setzen: Eine starke Hoffnung für die Menschen und unsere Welt. Deshalb ist es aus meiner Sicht wichtig, dass wir damit auch weiterhin nach draußen gehen, uns gesellschaftlich einbringen und Halt geben.
Welche Rolle spielt der Glaube ganz persönlich in Ihrem Alltag?
Der Glaube gehört für mich ganz selbstverständlich dazu. Ich lebe das einfach. Morgens lese ich die Tageslosung gerne in den Ursprachen Griechisch und Hebräisch – dieses Ritual liebe ich. Das ist ein bisschen übriggeblieben aus meiner Zeit an der Uni, in der ich auch im Fach Neues Testament promoviert wurde. Im Gebet denke ich täglich an Menschen, denen ich begegnet bin oder die in meinem Umkreis sind. Zudem haben Gottesdienste bei mir einen hohen Stellenwert – nicht nur die, die ich selbst leite, sondern auch jene, die ich besuche.
Wenn Freunde Sie beschreiben müssten – welche drei Eigenschaften würden sie nennen?
Ich denke, dass ich für Verlässlichkeit, Kreativität und Sportlichkeit stehe. Bei Verabredungen bin ich so verlässlich wie möglich. Privat ist es mir zum Beispiel sehr wichtig, den Kontakt zu meinem Freundeskreis zu halten, der in ganz Deutschland und im Ausland verstreut ist. Meine Ideen sind durchaus kreativ und der Sport, gerade Tanzen und Fußball, liegt mir sehr am Herzen. Fußball habe ich bis zu einer Kreuzbandverletzung im Jahr 2015 gespielt. Ballett mache ich heute noch.
Was gibt Ihnen Kraft in Zeiten, die belastend und schwierig sind?
Als erstes Familie und Freunde. Hier kann ich Probleme besprechen und bekomme den nötigen Halt.
Sie haben früher Damenfußball gespielt – welche Werte haben Sie daraus bis heute geprägt?
Ich bemühe mich auch im übertragenen Sinne, die Bälle so zu passen, dass sie angenommen und in Tore verwandelt werden können. Dabei hilft es nichts, wenn man persönlich schneller läuft – die anderen müssen die Chance haben, mitzukommen. Die Frage des Bälle-Passens spielt auch gerade eine große Rolle bei meinem Abschied aus der Gesamtkirchengemeinde Peine – da ist mir eine gute Übergabe sehr wichtig.
Vielen Dank für das Interview – wir alle wünschen Ihnen einen erfolgreichen Neuanfang und bedanken uns für die persönlichen Einblicke.


